Armut hat viele Gesichter

Demokratie-Kolleg vor der Bundestagswahl in Flensburg

Neue Lösungswege für Teilhabe und Gerechtigkeit
Eine Veranstaltung des Christian Jensen Kolleg Breklum: Podiums- und Publikumsdiskussion mit Kandidatinnen und Kandidaten für den Bundestag – mit Gerhard Wegner

An drei aufeinanderfolgenden Abenden diskutierten zahlreiche Besucherinnen und Besucher mit den Bundestagsdirektkandidaten in den Wahlkreisen Schleswig-Flensburg, Norfriesland/Dithmarschen-Nord, Dithmarschen-Süd/Steinburg im Rahmen der Veranstaltungsreihe “Demokratie-Kolleg” über das Thema “Armut hat viele Gesichter – Neue Lösungswege zu Teilhabe und Gerechtigkeit”. Die Beteiligung war lebhaft.

Als Experte legte Gerhard Wegner vom Sozialwissenschaftlichen Institut der EKD aus Hannover die Faktenlage zur wachsenden Ungleichheit in Deutschland dar. Er forderte grundlegende Reformen des Hartz-IV-Systems: “Wir brauchen ein Ermutigungs- statt eines Demütigungssystems, wir brauchen ein Bonusprogramm, das motiviert, statt Sanktionen.” Wegner brachte zudem mehrere konkrete Maßnahmen in die Diskussion, etwa Risikozuschläge bei risikohaften Beschäftigungen wie Leiharbeit und befristete Tätigkeiten, Mindestlöhne sowie verstärkte aktive Förderung von Langzeitarbeitslosen. Grundsätzlich sprach sich der Direktor des Sozialwissenschaftlichen Instituts dafür aus, den Niedriglohnbereich zu regulieren; dieser hätte nur eine Berechtigung, um Menschen wieder in Arbeit zu helfen, sei aber für viele zur ausweglosen Falle geworden.
Als Expertin aus der Region berichtete Pastorin Anke Schimmer vom Diakonischen Werk Schleswig-Holstein von den konkreten Herausforderungen der diakonischen Beratungseinrichtungen. Mit Sorge beobachtet sie, dass die Arbeitsmarkt-Instrumente wie Hartz IV einem Menschenbild entsprechen, das sich an Nützlichkeit, nicht an Menschenwürde orientiert. Als es auf dem Podium zu allgemein zuging, forderte sie von den politischen Kandidaten, konkreter zu diskutieren. Schimmer wies zudem auf die besondere Problemlage von Frauen hin: “Überwiegend gilt: Armut ist weiblich!”. Der Flensburger Diakoniepastor Thomas Nolte bilanzierte ernüchtert: “Hartz IV ist eine Pleite” und forderte “Das Sozialsystem muss überarbeitet, entbürokratisiert und langfristig grundsätzlich verändert werden.”

 

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Dienstag, August 20, 2013

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Dienstag, August 20, 2013

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Flensburg