Familie stärken in evangelischer Perspektive

Fachtagung des Sozialwissenschaftlichen Instituts der EKD in Eisenach

Fachtagung mit ca. 80 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus ganz Deutschland.
Veranstalter: SI der EKD in Kooperation mit Diakonie, Evangelischer Aktionsgemeinschaft für Familienfragen und Kirchenamt der EKD.
Im Frühjahr erscheint eine epd-Dokumentation. Zur Zusammenfassung SI-Forschungsprojekt “Auftrag Familie: Familien stärken in evangelischer Perspektive”, Vortrag von Gerhard Wegner und Impulsbeitrag von Cornelia Coenen-Marx siehe Liste Downloads.

Statements von Cornelia Coenen-Marx:
Die Stabilität von Familien ist nicht nur von innen, sondern immer auch von außen bedroht. Die Verfasstheit einer Gesellschaft beeinflusst eben auch das Private. Es kann also nicht nur um individualethische Fragen oder um das System Familie gehen, es geht auch um Sozialethik und Gesellschaftspolitik. Zu den größten gesellschaftlichen Herausforderungen, denen sich Familien heute gegenüber sehen, gehört der Mangel an Zeit. Wir leben in einer Gesellschaft, die Erwerbsarbeit in den Mittelpunkt rückt und die Aufmerksamkeit für die vielfältigen Sorgetätigkeiten in Erziehung, Pflege, Hauswirtschaft vermissen lässt.

Es geht aber auch um die Verantwortung der Väter, um das Konzept einer “partnerschaftlichen Familie”, die auch von der Sozialpolitik als öffentliches Gut gesehen und unterstützt werden muss durch entsprechende Infrastruktur. Es geht auch um angemessene Anerkennung von Erziehungs- und Pflegezeiten in den Erwerbsbiographien wie in den sozialen Sicherungssystemen. Letztlich wird es in den nächsten Jahren darauf ankommen, Übergänge zu gestalten zwischen einer sozialen Wirklichkeit mit Halbtagsschulen und Teilzeitarbeit von Frauen, in der die Familienarbeit von Frauen geleistet und unzureichend gewürdigt wurde, hin zu einer partnerschaftlichen Familie mit erwerbstätigen Partnern, einer unterstützenden Infrastruktur und von beiden Partnern geleisteter Sorgearbeit in Erziehungs- und Pflegezeiten.

Kinder brauchen beide Eltern. Die Biographien von Männern und Frauen, aber auch von Familien, sind heute vielfältiger und weniger vorhersehbar, als das in der Vergangenheit der Fall war. Wo immer es aber gelingt, die jeweiligen Herausforderungen gemeinsam zu bewältigen, wird damit nicht nur der private, sondern auch der gesellschaftliche Zusammenhalt gestärkt. Familien sind wichtige Knotenpunkte in funktionierenden Nachbarschaften und bieten damit Anknüpfungspunkte für professionelle Dienstleistungen.

Hier sind auch die Chancen und Herausforderungen für Kirchengemeinden anzusprechen. Tageseinrichtungen für Kinder und Familienzentren, Diakoniestationen und Mehrgenerationenhäuser können eine zentrale Rolle für die Gemeindearbeit spielen. Im Blick auf Bildungsangebote und Armutsprävention, auf Beratung und Pflegedienste ist ein gutes regionales Miteinander von Kirche und Diakonie entscheidend. Nicht nur in der EKD, sondern auch in vielen Landeskirchen steht das Thema Familie zur Zeit neu auf der Tagesordnung. Das zeigt sich in Synodenbeschlüssen, der Gründung von Familienbeiräten, Umstrukturierungen. Gemeinden, die Angebote für Familien machen wollen, werden über ihren eigenen Umgang mit Zeit nachdenken müssen. Eine Familienfreundliche Personalpolitik wird genauso zum Thema werden wie neue Rituale und Kasualien.

Zum SI-Projekt   “Familien stärken in evangelischer Perspektive”  

  • Familien stärken – Eröffnungsstatement | von Gerhard Wegner| PDF 124,1 kB
  • Impuls: Das Thema Familie, Entwicklungen und Pespektiven | von Cornelia Coenen-Marx| PDF 42,4 kB

Start

0:00

Donnerstag, Februar 2, 2012

Ende

0:00

Freitag, Februar 3, 2012

Adresse

99817 Eisenach