PC, Roboter, Künstliche Intelligenz, Big Data – alles wird gut – oder?

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Andreas Mayert auf dem Ökumenischen Betriebsräteempfang in der Evangelischen Akademie Frankfurt

Früher bahnten sich Entwicklungen an, eine ganze Zeit dauerte es, bis daraus Ergebnisse wurden. Heute geht es schneller zu in unserer Lebenswelt, die Digitalisierung legt ein anderes Tempo vor, eröffnet ständig neue Möglichkeiten: Google Übersetzer radebrechte vor ein paar Jahren noch, “heute schafft er sogar Doppeldeutiges angemessen zu übersetzen”, etwa das Wort “überlegen”, sagte Andreas Mayert, Diplom-Volkswirt beim Sozialwissenschaftlichen Institut der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) in seinem Vortrag beim diesjährigen ökumenischen Frankfurter Empfang für Betriebsräte, Personalräte, Mitarbeitenden- und Jugendvertretungen.

Die Berufssparten seien unterschiedlich von den Folgen der Digitalisierung betroffen, äußerte Mayert in seinem Vortrag. Er beobachtet: “Die Mittelschicht schrumpft.” Die Beschäftigung polarisiere sich weiter. Es entstünden mehr “lovely jobs” am oberen Ende der Einkommensskala, aber auch mehr “lousy jobs” im Niedriglohnsegment. Klassische Bürojobs oder auch Stellen bei Banken gingen verloren, weil der Computer die Arbeit übernimmt. Fachkräfte in der Fertigung würden durch Hightech ersetzt, sagte der Volkswirt. Der Klempner oder auch der Sozialarbeiter sei aber nicht zu ersetzen, weder durch einen Rechner noch einen Roboter. Das gleiche gelte für die Wissenschaftlerin und die Führungskraft. Andreas Mayert konstatierte, “der technische Fortschriftt macht Arbeitsplätze überflüssig, aber er schafft auch welche” – jedoch nicht unbedingt in gleichem Maße. Vom Ende der Arbeit könne man deshalb keinesfalls sprechen. Interessant sei, dass große Unternehmen auf diesem Markt, etwa Facebook, im Vergleich zum aktuellen Wert des Unternehmens mit rund 12.000 Angestellten relativ wenig Menschen beschäftigten. Produktivität und Lohnentwicklung entkoppelten sich.

Aktuell erlebten wir die zweite Welle der Digitalisierung: Roboter, künstliche Intelligenz, der Ausbau von “Big Data”, bedeuteten eine andere Qualität der Veränderung als der erste Einsatz von Rechnern in der Arbeitswelt. Mayert meint: Es sei “durchaus Zeit für Bedenken”. Um die Entwicklung als Fortschritt zu erleben in der Gesellschaft, bedürfe es des politischen Gestaltungswillens und einer angesichts der digitalen Herausforderungen weiterentwickelten Sozialpartnerschaft.