Sensibel für Armut

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SI-Studie zu Kirchengemeinden in der Uckermark

In Deutschland zählt Nordbrandenburg zu den Regionen mit den höchsten Armutsanteilen. “Armut wird hier in großer Vielschichtigkeit sichtbar”, sagt Soziologin Susann Jenichen. Die Menschen dort sind selbst direkt betroffen oder sie sind durch ihre berufliche Tätigkeit als Lehrer, Pfarrerin oder Arbeitgeber mit betroffen. In welcher Form auch immer: sie empfinden Armut als gemeinschaftliche Erfahrung. Zur materiellen Armut und zu dem Verlust von Alltagsfähigkeiten kommt noch die kollektive Armut hinzu. Die wird sichtbar an fehlenden finanziellen Mitteln, an dem Zerfall der Bausubstanz und an der Überalterung der Bevölkerung. Wenn der tief greifende soziale und demografische Wandel seit 1989 auch das kirchliche Leben nicht verschont, gibt es trotz allem Perspektiven und Potenziale. Kirchengemeinden nehmen Armut sensibel wahr und berücksichtigen sie bei der Gestaltung der Gemeinden und des Kirchenkreises. Das sind Ergebnisse der Uckermark-Studie des Sozialwissenschaftlichen Instituts der Evangelischen Kirche in Deutschland (SI der EKD), die jetzt gedruckt vorliegen:

Susann Jenichen
Sensibel für Armut ? Kirchengemeinden in der Uckermark
Evangelische Verlagsanstalt, Leipzig
ISBN 978-3-374-04139-8. 178 Seiten, Paperback: 16,80 €,  zum Shop

“Über die Situation in Berlin wissen wir viel”, sagt Bischof Markus Dröge, geistlicher Leiter der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz. “Aber wie leben die Menschen in den ländlichen Regionen? Welche Auswirkungen haben Arbeitslosigkeit und der Bezug von Transferleistungen auf ihr Leben? Wie sehen sie selber ihre Situation? ” Der Verdienst der Uckermark-Studie sei, auf diese Fragen Antworten zu geben. Die Studie arbeitet beispielhaft für andere strukturschwache Gebiete heraus, wie Armut das private und das öffentliche Leben prägt. “Sie zeigt aber auch Handlungsoptionen und macht deutlich, wie armutsbezogenes Engagement entwickelt werden kann “, betont Gerhard Wegner, Direktor des SI der EKD. Die Zusammenarbeit von Kirchengemeinden, Landeskirche und Diakonie könne optimiert werden.

“Viele Befragte sind traditionell stark engagiert oder schauen auf Phasen des bürgerschaftlichen Engagements zurück “, so Susann Jenichen. Durch die Bevölkerungsentwicklung und die geringen Mittel seien ihre Möglichkeiten jedoch beschränkt. Einige mache es wütend und ohnmächtig, dass ihre Region vernachlässigt und von positiven Entwicklungen ausgeschlossen wird. Andere sehen sich durch ihre Aktivitäten in Kirchengemeinde und Nachbarschaft eingebunden und fühlen sich nicht abgewertet oder ausgegrenzt.

Das SI hat bereits 2006 (Hamburg) und 2009 in ländlichen Regionen  Niedersachsens Studien zur Lebenssituation von Menschen in Armut durchgeführt. Die besonderen Stärken der Kirchengemeinden in der Uckermark liegen für Susann Jenichen im armutssensiblen Handeln. Auch gebe es niedrigschwellige Angebote für Kinder, Familien und Senioren. “Wenn die Mittel fehlen, findet eine Kinderfreizeit in Zelten im eigenen Pfarrgarten statt oder die »Junge Gemeinde« gestaltet die Konfirmationsfeier anstelle der Familie”, erläutert Jenichen. Für viele Veranstaltungen werde ein Rhythmus gewählt, der Teilhabe trotz eingeschränkter Mobilität erleichtert.

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