Die Berufungsfabrik öffnet ihre Tore

Ausstellung des Sozialwissenschaftlichen Instituts der EKD auf der Weltausstellung Reformation in Wittenberg

Die Berufungsfabrik, eine interaktive, erlebnisorientierte Ausstellung des Sozialwissenschaftlichen Instituts der EKD auf der Weltausstellung Reformation in Wittenberg, wird am

Sonntag 18. Juni 2017 um 13.00 Uhr

eröffnet. Der Pavillon, in dem sich alles um das Thema “Beruf und Berufung” dreht, steht zwischen Schlossstraße 10 (Eingang Weber-Haus) und Wallstraße (Luthergarten).

Am Freitag, 16. Juni 2017 um 15.00 Uhr wird Prof. Dr. Dr. h.c. Wolfgang Huber, früherer Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und Berliner Altbischof die Ausstellung vorab besuchen.

(Hinweise für Foto-Journalisten: siehe unten)

Die Berufungsfabrik – der Titel ist bewusst sperrig gewählt. Berufung und Fabrik: das scheint nicht zusammen zu passen. Die Fabrik gilt als Inbegriff einer Arbeitswelt, in der die Arbeit entfremdet ist, es nicht auf Eigeninitiative, Selbstständigkeit und Sinnerfahrung ankommt. Das Stichwort “Berufung” steht für das Gegenteil: Da geht es um Sinn, Entfaltung, eine Tätigkeit, die zu mir und meinen eigenen Fähigkeiten und Interessen passt. Berufung in diesem Sinn erlebt zurzeit eine Konjunktur. Viele Menschen fragen nach einer Tätigkeit, in der sie Sinnvolles aber auch für andere Nützliches tun können.

Die Berufungsfabrik knüpft an das reformatorische Konzept von Beruf und Berufung an. Martin Luther hat die alltägliche Arbeit als Feld der Berufung wiederentdeckt und sie enorm aufgewertet. Der “Beruf”, die Berufung des Menschen ist nicht die fromme Flucht aus dieser Welt, sondern Weltzuwendung und Weltgestaltung. Wurde bis dahin nur Mönchen und anderen Geistlichen eine Berufung zugesprochen, so hat er sie auf alle Menschen ausgeweitet. Vom Windelwaschen bis zum Predigen – all das war für Luther Beruf bzw. Berufung.

Er steht damit am Beginn einer Arbeitsauffassung, für die Weltgestaltung, soziale Verantwortung und Sinnerfahrung nicht auseinander-, sondern zusammenfallen.

Die Berufungsfabrik führt in die heutige Arbeits- und Berufswelt hinein und lädt zur Auseinandersetzung ein. Auf den Stelen der Ausstellung geht es u.a. um die persönlichen Erwartungen an die Arbeit, aktuelle Konflikt- und Entscheidungssituationen als Mitarbeiter/in oder Leitungsperson, das Engagement für bessere Arbeitsbedingungen oder die Frage nach dem Gesicht der Arbeit in einer digitalisierten Welt (Arbeit 4.0).

Damit reflektiert die Ausstellung eine Arbeitswelt, die längst nicht mehr in den alten Bildern von der Fabrik aufgeht: Zur aktuellen Arbeitswelt gehört die gesteigerte persönliche Verantwortung der Mitarbeitenden genauso wie die Frage, welche Folgen die Digitalisierung für das Arbeiten von Morgen haben wird. Solche Fragen sind natürlich andere als die, die Luther und die übrigen Reformatoren beschäftigten. Aber die Grundfragen von damals sind nach wie vor aktuell:

Worin liegt der Sinn unserer Arbeit? Wem gegenüber nehmen wir mit unserer Arbeit Verantwortung wahr? In welche Richtung möchten wir – durchaus auch als Gottes Mitarbeiter/innen – die Welt gestalten?

Das Sozialwissenschaftliche Institut realisiert die Präsenz auf der Weltausstellung Reformation zusammen mit seinen Kooperationspartnern: dem “Wittenberg-Zentrum für Globale Ethik”, dem “Evangelischen Verband Kirche-Wirtschaft-Arbeitswelt e.V. (KWA)”, der “Hans-Böckler-Stiftung” und der “Stiftung Sozialer Protestantismus”.

Hinweis: unter dem Link: https://www.dropbox.com/sh/3cv7ziex7dgam4j/AAAnaImhqCNum7u9MCgRQaAba?dl=0

sind weitere Informationen zur Ausstellung hinterlegt.

Am selben Ort werden wir auch Fotos der Eröffnung und vom Besuch von Prof. Wolfgang Huber speichern.

Hannover, 6. Juni 2017