Beitrag der Kirche in Corona-Zeiten – COSMO-Befragungsergebnisse zu Ostern

Hannover. Im Rahmen des COSMO-Monitorings, einer regelmäßigen Befragung zum Umgang mit der Corona-Pandemie, wurde deutlich, dass digitale Formate praktikabel sind, um einen Ersatz für den derzeit nicht möglichen Gottesdienstbesuch zu geben. In diesen besonderen Zeiten ist es Aufgabe der Kirche, den Kontakt zu Menschen, denen Glaube und Gemeinde am Herzen liegen, zu halten, auch mithilfe digitaler Kommunikationsformen.

Das Osterfest ließ die persönliche Betroffenheit durch die Einschränkungen im Rahmen der Kontaktvermeidung besonders spürbar werden. Beim COSMO-Monitor wurden in der letzten Erhebungswelle auch soziale und religiöse Aspekte rund um das diesjährige Osterfest abgefragt. Es zeigt sich, dass zu Ostern das Zusammensein mit der Familie eine prägende Rolle spielt: Knapp zwei Dritteln (63 %) aller Befragten fehlte das persönliche Zusammensein in der Familie während der Osterfeiertage, bei den Kirchenzugehörigen ist der Anteil noch höher (Evangelische 70,8 %, Katholische 69,7 %). Das Fehlen der familiären Nähe konnte für gut die Hälfte aller Befragten durch digitale Kommunikationsmöglichkeiten wie Chat und Videotelefonie ausgeglichen werden (insgesamt 52,3 %).

Die fehlende Möglichkeit, persönlich Ostergottesdienste zu besuchen, wurde vor allem von denen empfunden, die mit ihrer Kirche hoch verbunden sind. Für sie können digitale Angebote einen Ersatz darstellen. Im Kontext von Ostern nehmen Personen, die eine hohe Verbundenheit mit der Kirche haben, deren Beitrag zur gesellschaftlichen Krisenbewältigung positiv wahr (65,3 % der Hochverbundenen insgesamt und 68,5 % der evangelischen Hochverbundenen). Über die digitalen Angebote scheint es den Kirchen gelungen zu sein, die Beziehung zu ihren Mitgliedern auch unter diesen Umständen weiterzuführen.

Für die Frage der „Nach-Corona-Zeit“ wird es von entscheidender Bedeutung sein, die Rolle dieser digitalen Präsenz von Kirche und Glauben in der „normalen“ Gemeindepraxis zu klären. Dazu bedarf es weiterer Aufklärung, wie digitale Angebote genutzt werden und welche Reichweite sie entwickeln. Der Direktor des Sozialwissenschaftlichen Instituts der EKD (SI), Prof. Dr. Georg Lämmlin, konstatiert: „Die Bedeutung persönlicher Präsenz für den Gottesdienst, insbesondere im Zusammenhang mit dem Abendmahl, gilt es, sowohl theologisch wie empirisch genauer zu untersuchen. Das Sozialwissenschaftliche Institut wird dazu weitere Studien durchführen.“

COSMO, das COVID-19 Snapshot Monitoring, erhebt wöchentlich Querschnittsdaten von ca. 1.000 Personen. Neben Fragen zum Umgang mit den Schutzmaßnahmen, zur Risikowahrnehmung oder auch der psychologischen Lage wurden in der letzten Untersuchungswelle aufgrund der Kooperation mit dem SI auch Daten zu sozialen und religiösen Aspekten ermittelt.

COSMO ist ein Gemeinschaftsprojekt zwischen der Universität Erfurt, dem Robert Koch-Institut, dem Leibniz-Zentrum für Psychologische Information und Dokumentation, dem Science Media Center, dem Bernhard Nocht Institute for Tropical Medicine sowie dem Yale Institute for Global Health. In der letzten (siebten) Erhebungswelle vom 14.-15. April 2020 waren zudem das SI sowie das PEPP-PT (Projekt zur Corona-Virus-Tracing-App) beteiligt.

 

Über das Sozialwissenschaftliche Institut der EKD (SI):
Das SI ist am 1. Oktober 2004 aus der Zusammenführung des Sozialwissenschaftlichen Instituts in Bochum (SWI) mit dem Pastoralsoziologischen Institut der Landeskirche Hannovers hervorgegangen.
Das SI begleitet und kommentiert aktuelle Entwicklungen in Kirche und Gesellschaft und es forscht, publiziert und referiert über Gegenwart und Zukunft sozialer Gerechtigkeit, wobei Perspektiven von Kirche und Religion in der Gesellschaft beleuchtet werden. Weiteres unter www.si-ekd.de.

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