Neigung, länger zu arbeiten nimmt zu

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Berichterstattung Epiphaniasempfang Lüneburg

BERLIN (epd). Mehr ältere Menschen arbeiten. Das geht aus der jüngsten Analyse des Arbeitsmarkts für Ältere durch die Bundesagentur für Arbeit hervor. Mitte vergangenen Jahres gingen demnach 7,7 Millionen 50- bis 64-Jährige einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nach. Das waren 6,2 Prozent mehr als im Jahr 2010. Deutliche Zuwächse gibt es seit einem Jahrzehnt vor allem in den rentennahen Jahrgängen: Im Jahr 2000 war nur jeder Zehnte unter den über 60-Jährigen in einem sozialversicherungspflichtigen Job beschäftigt. Im Sommer 2011 waren es 27,5 Prozent.

Wie hoch der Anteil älterer Arbeitnehmer ist, spielt eine große Rolle in der Debatte um die Rente mit 67, die seit diesem Jahr schrittweise eingeführt wird. So fordern SPD und Gewerkschaften, dass die Einführung so lange ausgesetzt wird, bis unter den rentennahen Jahrgängen eine Beschäftigungsquote von 50 Prozent erreicht ist.
Frühverrentung ist finanziell nicht mehr so attraktiv

Die Bundesagentur sieht mehrere Gründe für die Entwicklung. Zum einen steigt der Anteil der Älteren an den Erwerbstätigen insgesamt, zum anderen steige auch die Neigung, länger zu arbeiten, schreibt die Bundesagentur in ihrer Analyse. Dies hängt auch damit zusammen, dass Frühverrentungen nicht mehr, wie früher, finanziell abgefedert werden. Das tatsächliche Renteneintrittsalter ist den Angaben zufolge zwischen 2000 und 2011 von 62,3 auf 63,5 Jahre gestiegen.

In der Debatte um die Rente mit 67 forderte der evangelische Sozialexperte Gerhard Wegner bessere Voraussetzungen für ältere Arbeitnehmer. Das Problem sei nicht die Anhebung des Rentenalters, sagte der Direktor des Sozialwissenschaftlichen Institutes der Evangelischen Kirche in Deutschland in Lüneburg. “Viele würden sogar gerne länger arbeiten, wenn es gute und altersgerechte Arbeitsplätze geben würde.” Die Arbeitsbedingungen sollten so gestaltet werden, dass die Leistungskraft erhalten bleibe: “Da brauchen wir mehr Kreativität.”