Neuerscheinung: David Ohlendorf, Hilke Rebenstorf: Überraschend offen – Kirchengemeinden in der Zivilgesellschaft

In dem dreijährigen empirischen Forschungsprojekt „Kirche und Zivilgesellschaft“ haben David Ohlendorf und Hilke Rebenstorf die Kooperation kirchlicher und anderer zivilgesellschaftlicher Akteure untersucht. Die nun erschienene Studie „Überraschend offen – Kirchengemeinden in der Zivilgesellschaft betritt in soziologischer und praktisch-theologischer Hinsicht Neuland.

Die Zivilgesellschaft wird in jüngeren religionssoziologischen Debatten häufig als der gesellschaftliche Ort von Kirche in modernen Demokratien angeführt. Dahinter steht die These eines tiefgreifenden Wandels der kirchlichen Organisation: Aus der ehemals staatsnahen Institution entsteht eine zivilgesellschaftliche Akteurin. Religion “verschwindet” demnach nicht einfach oder wird in die Privatsphäre verdrängt. Kirche kann vielmehr zukünftig zwischen Staat, Markt und Privatsphäre eine Schlüsselrolle einnehmen. Denn zivilgesellschaftliche Prinzipien wie Selbstorganisation oder Gemeinwohlorientierung sind in hohem Maße mit christlichen Überzeugungen vereinbar. Mit der großen Zahl an Ehrenamtlichen und der Verfügbarkeit gemeindlicher Strukturen besitzt die Kirche beste Voraussetzungen für einen aktiven Beitrag zur Sozialraumentwicklung. Und nicht zuletzt kann sich ein starkes zivilgesellschaftliches Engagement positiv auf die Außenwahrnehmung der Gemeinden auswirken und so dem Relevanzverlust von Kirche entgegenwirken. Bislang jedoch liegen nur wenig empirische Daten zum kirchlichen Beitrag von Sozialraumentwicklung vor.

Das Projekt hat diese Forschungslücke aufgegriffen und den Beitrag von Kirchengemeinden zur Zivilgesellschaft untersucht.

Wo ist der Ort der Kirche in einer zunehmend entkirchlichten Gesellschaft? Worin liegen ihre Aufgaben? Soll sie sich auf sich selbst und ihre Mitglieder beschränken oder sich dem Sozialraum öffnen? In sechs Fallstudien wird diesen Fragen konkret nachgegangen. Kirchengemeindliche Akteure wie auch andere zivilgesellschaftlich aktive Menschen wurden zu ihren Beziehungen, Kooperationen, gegenseitigen Wahrnehmungen befragt. Die Ergebnisse zeigen eine überraschende Offenheit sowohl der Kirchengemeinden gegenüber ihrer Umwelt als auch der Vereine, Initiativen, Gruppen, Kommunalpolitik u.a. gegenüber der Kirchengemeinde – überraschend, weil Kirche oftmals als altmodisch, unmodern etikettiert wird. Sie nimmt aber offensichtlich je nach konkreten Bedingungen vor Ort zentrale Funktionen für das Gemeinwesen wahr.

David Ohlendorf, Hilke Rebenstorf, Überraschend offen – Kirchengemeinden in der Zivilgesellschaft
Hrsg. vom Sozialwissenschaftlichen Institut der EKD
ISBN 978-3-374-06034-4, Evangelische Verlagsanstalt 2019, 324 Seiten, 28,00 €
Zur portofreien Bestellung