Die Mitte der Gesellschaft lebt nicht in einem Jammertal – Beitrag von Gert. G. Wagner beim Promi-Talk
Die Mitte der Gesellschaft lebt nicht in einem Jammertal – ungerecht behandelt fühlt sie sich trotzdem
von Anselm Mattes und Gert G. Wagner
Seit Jahren wird im linken politischen Spektrum beklagt, dass links von der Mitte im Bund keine Mehrheiten mehr geschmiedet werden können. Und das, obwohl Deutschland zu einem Jammertal für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sowie Rentnerinnen und Rentnern geworden sei – was alle spürten und was obendrein in diversen Armutsberichten und Büchern zum Verteilungskampf belegt würde.
Schaut man genauer hin erkennt man allerdings, dass die Mitte der Gesellschaft nach wie vor groß und keineswegs am verschwinden ist – und nur mit dieser Mitte können Wahlen gewonnen werden. In den letzten Jahren hatte die Mitte in Deutschland und Europa aber ein Problem damit, dass sie in den großen Debatten ignoriert wurde, weil sich der intellektuelle, politische und öffentliche Diskurs vorrangig auf die Ränder der Gesellschaft – reich wie arm – konzentriert. Dabei wurde vielfach vergessen: nur wer die Mitte der Gesellschaft erreicht und so eine Mehrheit findet, kann auch denen wirksam helfen, die Pech hatten und unterhalb der Mitte sozial positioniert sind.
Gert G. Wagner, ist Vorstandsmitglied des DIW Berlin. Anselm Mattes ist Manager bei der DIW Econ, dem Beratungsunternehmen des DIW Berlin. Der vorliegende Text liegt in alleiniger Verantwortung der Autoren, die ihre persönliche Meinung wiedergeben.



