Rückschau auf Workshop Multiprofessionelle Teams

Teamarbeit

Multiprofessionelle Teams gestalten Kirche heute und morgen! 

„Zusammen schaffen wir es!“. Unter diesem Motto ist am 19. März 2021 das Symposium zu „multi- und interprofessioneller Zusammenarbeit im Dienst unserer Kirche“ mit der Verabschiedung einer Thesenreihe zu Ende gegangen. Über 150 Teilnehmende aus allen Gliedkirchen der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) arbeiteten beim Symposium aktiv mit. Alle Kirchen hatten Teilnehmende aus verschiedenen Berufsprofilen entsandt. Landesbischof Ralf Meister, Bischof Nicholas Baines (Church of England), Prof. Ulrich Weinberg (School of Design Thinking), Prof. Dr. Ulrike Walkenhorst und viele weitere namhafte Wissenschaftler*innen und Expert*innen verschiedener kirchlicher Berufsprofile markierten, dass eine ausdifferenzierte und immer digitaler werdenden Gesellschaft auf die vielfältige Expertise verschieden ausgebildeter Berufsprofile und ehrenamtlich Engagierter angewiesen ist.

„Thesen zu einer gemischt professionellen und transformierenden Teamkultur in Kirche und Diakonie“ wurden gemeinsam erarbeitet und verabschiedet. 17 Modelle aus fast allen Kirchen in der EKD zeigten, dass die Landeskirchen Schritte auf multiprofessionelle Teams hingehen und weiteten den Horizont für die regionalen Wege dazu. Die Thesen setzen hier an und können den Transformationsprozess der Kirche in der Ausbildung der Berufsprofile und in der Teamentwicklung unterstützen. Die Vertreter*innen aus den Gliedkirchen der EKD werden die Anregungen dieses Symposiums in ihrem jeweiligen Kontext weiterdiskutieren. Außerdem werden die Thesen in verschiedene Diskussionsprozesse über die Zukunft der Kirche eingespeist.

Das Symposium wurde vom Kirchenamt der EKD, dem Sozialwissenschaftlichen Institut der EKD, dem Studienseminar Hofgeismar und der Akademie des Versicherers im Raum der Kirchen vorbereitet. Die Akademie des Versicherers im Raum der Kirchen finanzierte und ermöglichte das Symposium und damit die Entstehung dieses kreativen EKD-weiten Kommunikationsraums.

 

Neun Thesen zu einer gemischt-professionellen und transformierenden Teamkultur in Kirche und Diakonie

Erarbeitet auf dem Symposium „Zusammen schaffen wir es! Multi- und interprofessionelles Arbeiten im Dienst unserer Kirche“, 17.–19. März 2021

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Die aktuellen Herausforderungen für Kirche und Diakonie sorgen dafür, dass das Interesse an gemischt-professioneller Teamarbeit[1] wächst.

Die nachfolgenden Thesen sind auf einem Symposium zu multi- und interprofessionellem Arbeiten in Kirche und Diakonie entstanden,  das die Akademie des Versicherers im Raum der Kirchen in Kooperation mit dem Kirchenamt der EKD, dem Sozialwissenschaftlichen Institut der EKD und dem Evangelischen Studienseminar Hofgeismar im März 2021 durchgeführt hat. Bei dieser digitalen Tagung entwickelten mehr als 150 Teilnehmer*innen verschiedener Berufsprofile aus allen 20 Gliedkirchen der EKD, aus reformierten Kirchen der Schweiz und aus der Church of England auf der Basis von wissenschaftlichen Impulsen Eckpunkte und Leitlinien zum Thema gemischt-professioneller Teamarbeit in Kirche und Diakonie.[2]

Die folgenden Thesen bündeln und fokussieren die Diskussionsergebnisse, indem sie das Thema anhand von drei Leitfragen in den Blick nehmen: [3] 

  • „Why?“ fokussiert die Absicht und den Auftrag kirchlichen Handelns.
  • „How?“ zeichnet das Thema multi- und interprofessionelle Teamarbeit in eine strategische Perspektive ein.
  • „What?“ gibt Anregungen für die konkrete Umsetzung in Kirche und Diakonie.

Die Thesen verfolgen das Ziel, die Diskussion zur Arbeit in gemischt-professionellen Teams voranzutreiben und den darin liegenden Anstoß zu einer Veränderung und Verflüssigung der Strukturen von Kirche und Diakonie weiterzuspielen.

Why? – Teamarbeit von Absicht und Auftrag kirchlichen Handelns her denken

  1. Die Zusammenhänge, in denen Menschen leben, kommunizieren und arbeiten, werden immer komplexer, unsicherer und Deshalb sind inter- und transprofessionelle Teams eher geeignet, komplexe Situationen adäquat zu bearbeiten.
    Die Zusammensetzung und die Struktur der Teams orientieren sich dabei an dem Auftrag und den aktuell erkannten Aufgaben der Kirche im jeweiligen Kontext. Dem Auftrag der Kirche entspricht eine Orientierung auf die Zukunft hin.
  1. Die Kirche hat den Auftrag, die Kommunikation des Evangeliums zu fördern und ein Vorzeichen des Reiches Gottes in konkreter sozial-räumlicher Perspektive zu sein. Ein zentrales Bild für eine bewegliche Kirche ist die Aussendung der Jünger*innen – gemeinschaftlich und in vielfältiger Zusammensetzung (vgl. Mk. 6,7 u. ö.). Kirche ist als lernende Gemeinschaft unterwegs und auf Vernetzung angelegt.
  1. In ihrer Vielfalt, die unterschiedliche Dimensionen der Diversität umfasst, bündeln gemischt-professionelle Teams zahlreiche Kompetenzen und Zugänge. Diese Teams kollaborieren und entfalten Kreativität. Damit erzeugen sie soziale Energie, die neue Perspektiven, passende Lösungen und Innovationen hervorbringt.

How? – Teamarbeit in strategischer Perspektive weiterdenken

  1. Eine wesentliche Voraussetzung für die Arbeit in gemischt-professionellen Teams ist eine Kultur, die von Vertrauen und gelebtem Glauben geprägt ist. Diese Kultur gilt es auf allen Ebenen und in allen Handlungsfeldern von Diakonie und Kirche zu fördern. Grundlegend für Ausbau und Gestaltung dieser Kultur ist es, eine interprofessionelle Perspektive in die Aus- und Fortbildungen zu integrieren sowie das Dienst- und Arbeitsrecht der kirchlichen bzw. diakonischen Berufe entsprechend anzupassen. Interprofessionelle Kompetenz hat für die zukünftige Gestalt der Kirche eine zentrale Bedeutung.
  2. Gemischt-professionelle Teams hinterfragen bestehende Rollenmuster. Die Etablierung solcher Teams führt unweigerlich in Aushandlungs- und Klärungsprozesse um Macht- und Statusfragen mit dem Ziel gleichberechtigter Teilhabe aller Akteur*innen. Gemischt-professionelle Zusammenarbeit basiert auf dem Prinzip der Aufgaben- und Kompetenzorientierung. Damit verbunden ist die Zuordnung entsprechender Entscheidungskompetenzen und Verantwortung.
  3. Die Arbeit in gemischt-professionellen Teams umfasst ehrenamtlich Engagierte. Gegenseitige Wertschätzung von beruflich und ehrenamtlich Engagierten drückt sich darin aus, dass die unterschiedlichen Arbeitslogiken und Zeitbudgets berücksichtigt, Erwartungen transparent gemacht und Aufgaben verbindlich vereinbart werden. Gemeinsame Weiterbildungen für beruflich und ehrenamtlich Engagierte ist eine Voraussetzung.

What? – Teamarbeit konkret umsetzen

  1. Gemischt-professionelle Teams verändern die Organisationsform der Kirche. Die Strukturen werden damit in Richtung einer fluiden Kirche in Bewegung gebracht und netzwerkartig transformiert. Dabei überschreitet das Handeln von Kirche und Diakonie Religions-, Konfessions- und Kirchengrenzen und orientiert sich an den Bedürfnissen der Menschen. Die Arbeit in gemischt-professionellen Teams fordert heraus, immer wieder auf die Passung von kirchlichen und sozialräumlichen Strukturen zu achten. Dabei werden regionale Planungs- und Handlungsräume eine größere Bedeutung gewinnen.
  2. Die Bedarfsorientierung sowie die netzwerkförmige Umgestaltung kirchlicher Organisation hat Folgen für die konkrete Ausgestaltung von Teamarbeit. Sie nimmt vielfältige, auch fluide Formen an. Kooperatives Arbeiten ist integraler Bestandteil aller Dienstbeschreibungen im kirchlichen und diakonischen Kontext.
  3. Die Förderung kooperativen Arbeitens ist eine zentrale Aufgabe von Leitung im funktionalen Sinn. Ein solches Leiten fördert gemischt-professionelle Teams effektiv und nachhaltig. Dieses Leitungshandeln impliziert einen umfassenden Lernprozess für alle Beteiligten, der in Kirche und Diakonie bewusst vollzogen und durch entsprechende Maßnahmen unterstützt wird. Der Prozess hat Rückwirkungen auf alle Ebenen von Kirche und Diakonie, u. a. im Sinne einer verstärkt gemischt-professionellen Zusammensetzung von Leitungsgremien.

[1] Mit diesem Oberbegriff werden hier und im folgenden unterschiedliche Arbeitsformen benannt, die durch das Zusammenspiel verschiedener Professionalitäten im Sinne von Handlungskompetenzen geprägt sind. Hilfreich ist hierbei die Unterscheidung von Multi-, Inter- und Transprofessionalität. Multiprofessionalität ist eine Form der Teamarbeit, in der Akteur*innen aus mehreren Berufen koordiniert nebeneinander an verschiedenen Aufgaben arbeiten. Interprofessionalität geht über diese Form der Arbeitsteilung hinaus: Akteur*innen aus unterschiedlichen Berufen arbeiten mit ihren spezifischen professionellen Perspektiven an derselben Aufgabe. Noch weiter reicht das Konzept der Transprofessionalität: Hier überschreiten die Akteur*innen im Miteinander ihre Rollengrenzen und handeln sie neu aus.

[2] Die Arbeit an diesen Thesen erfolgte in einem mehrstufigen Verfahren, bei dem die Tagungsteilnehmenden die von zwei gemischt-professionellen Teams vor- bzw. weiterformulierten Fassungen kommentieren konnten. Die Schlussfassung dieses Dokuments wird von einer vierköpfigen Thesengruppe verantwortet, die von den Veranstaltenden bzw. Kooperationspartnern des Symposiums beauftragt wurde.

[3] Diese Anordnung orientiert sich am Golden Circle von Simon Sinek.

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