Zivilgesellschaftliches Engagement

Was bewegt Menschen in Deutschland, sich für oder gegen geflüchtete Menschen zu engagieren?

Das zivilgesellschaftliche Engagement in Deutschland hat in den letzten Jahrzehnten einen regelrechten Aufschwung erfahren, der durch die Aufnahme geflüchteter Menschen seit 2015 noch einmal neu an Kraft gewann. So zeigen die Repräsentativbefragungen des SI ( Flüchtlinge in Deutschland ) zu Sorgen, Hoffnungen und Hilfsbereitschaft, dass das Engagement für Geflüchtete zwar insgesamt zurückgeht, sich aber weiterhin auf einem hohen Niveau befindet .

Allerdings zeigen die Entwicklungen der letzten drei Jahre, dass es nicht nur Menschen gibt, die sich für Flüchtlinge engagieren, sondern auch solche, die sich in ihrem Engagement (unmittelbar oder mittelbar) gegen Geflüchtete wenden. So gibt es neben regelmäßigen Demonstrationen wie PEGIDA oder Parteien wie der AfD im ganzen Bundesgebiet Bürgerinitiativen und -entscheide, die sich in der Regel mit lokalen Belangen, wie zum Beispiel dem Bau von Übergangswohnheimen, auseinandersetzen. In der (wissenschaftlichen) Diskussion zum zivilgesellschaftlichen Engagement und seinem Verständnis wird denn auch zunehmend die bisher weitgehende Begrenzung auf dessen “gemeinwohlorientierte” Ausrichtung mit einer den Zusammenhalt der Gesellschaft grundsätzlich fördernden Wirkung problematisiert. Mit einer vergleichenden Untersuchung der subjektiven Motivationen und Zielsetzungen, die bei solch gegenläufigen Engagementausrichtungen wie den oben genannten zum Zuge kommen, soll dieser Problemhintergrund empirisch genauer beleuchtet werden.

Zielsetzung
Das Projekt, das in Kooperation mit Prof. Dr. C. Kumbruck von der Hochschule Osnabrück durchgeführt wird, nimmt das Engagement sowohl für als auch gegen Geflüchtete in den Blick und fragt mithilfe qualitativer und quantitativer Methoden nach engagementbezogenen Sinnkonstruktionen, Begründungszusammenhängen sowie Werten und Motiven. Der qualitative Teil des Projekts soll die Grundlage für eine sich anschließende quantitative Erhebung liefern, in der die herausgearbeiteten Orientierungen und Motive in möglichst standardisierte Antwortvorgaben überführt werden.

Die Ergebnisse liefern einen Beitrag zu aktuellen gesellschaftlichen und politischen Debatten und können im besten Falle die Schwierigkeiten des Austauschs der unterschiedlichen Perspektiven beleuchten und Möglichkeiten zur Verbesserung dieses Austauschs bieten. Im Feld der Engagementforschung kann die Untersuchung, auch mit der Entwicklung und Erprobung eines empirischen Instrumentariums, neue Erkenntnisse in die Debatte um das zivilgesellschaftliche Engagement einbringen.

Verantwortlich im SI:
Petra-Angela Ahrens
Maria Sinnemann

Laufzeit
April 2018 bis März 2021. Durchführung der qualitativen Teilstudie von April 2018 bis März 2019. Darauf folgt die quantitative Teilstudie.